Stiftung Oberschlesisches Landesmuseum

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Datum

1. Oktober 2023
Abgelaufen!

Uhrzeit

15:00

Preis

0,00

Ausstellungseröffnung: „Dem Regiment zur Ehr, dem Vaterland zur Wehr“. Preußische Regimenter in der Provinz Schlesien 1871–1914: Zwischen Militarismus und Alltagsleben

Das Oberschlesische Landesmuseum lädt zur Eröffnung der Sonderausstellung „Dem Regiment zur Ehr, dem Vaterland zur Wehr. Preußische Regimenter in der Provinz Schlesien 1871–1914: Zwischen Militarismus und Alltagsleben“ am Sonntag, den 1. Oktober um 15 Uhr ein. Wie bei den vorangegangenen Ausstellungseröffnungen beginnt die Ausstellungslaufzeit auch diesmal mit einer öffentlichen Podiumsdiskussion, die das Thema der Sonderausstellung in einen aktuellen Kontext setzt und zu der wir Sie und Ihre Begleitung herzlich einladen.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat zu Umwälzungen in der Verteidigungspolitik geführt, die auch zivilgesellschaftliche Folgen zeitigt. Neben der historischen Perspektive, die im ersten Fragenblock behandelt wird, stehen im zweiten Teil der Diskussion folgende zeitpolitische Fragen im Mittelpunkt: Brauchen wir wieder mehr Patriotismus und wie kann er vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus der deutschen Geschichte gefördert werden, ohne den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden? Wie stehen wir als Gesellschaft zu unserer Armee und sind wir überhaupt verteidigungsbereit? Wir erweitern diese Fragen aber auch um die polnische Perspektive: Wie blickt Polen auf das deutsche Handeln? Wie würde eine Erhöhung des Wehretats und eine Stärkung der Bundeswehr dort wahrgenommen? Tut Deutschland aus polnischer Sicht genug? Diese und viele andere Fragen werden in den kommenden Jahren nicht nur die deutsche Gesellschaft, sondern auch unsere Nachbarn und damit auch Polen beschäftigen. Und Antworten sind dringend nötig.

Die Sonderausstellung bündelt einen beeindruckenden Bestand preußischer Militärkultur in Schlesien aus der Zeit zwischen der Reichsgründung und dem Ersten Weltkrieg. Die Schau präsentiert rund 700 Exponate aus der Sammlung von Norbert Kozioł aus dem oberschlesischen Peiskretscham (Pyskowice), der in mehr als vier Jahrzehnten Dutzende Originaluniformen und Reservistengegenstände zusammentrug. Die Einmaligkeit dieser Kollektion besteht darin, dass sich nach 1945 kein Museum im nunmehr polnischen Oberschlesien um die Objekte des „preußischen Militarismus“ kümmerte. Es ist davon auszugehen, dass Tausende von Objekten dieser Art verloren gegangen sind, teilweise sogar gezielt vernichtet wurden. Auch in Deutschland sind Artefakte der preußischen Militärkultur jener Zeit aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten rar. Dabei waren allein in der Provinz Schlesien, die die Regierungsbezirke Liegnitz (Legnica), Breslau (Wrocław) und Oppeln (Opole) umfasste, zwei Armeekorps und mehr als dreißig verschiedene Regimenter und Bataillone stationiert.

Die Ausstellung ist aber keine reine Sammlungspräsentation. Sie zeigt die Durchdringung des zivilen Alltags durch das Militärische, die Omnipräsenz des Militärs in der Gesellschaft, die autoritären Züge des Militärs, die sich negativ auf die deutsche Gesellschaft auswirkten. Auch die Ambivalenz des Militärs wird thematisiert: einerseits Stütze des Reiches, andererseits Drohformation gegen Andersdenkende. Die Rekonstruktion dieser schlesischen Armeewelt bietet die Möglichkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit den Irrwegen der deutschen Geschichte. „Diese negative Entwicklung des deutschen ‚Sonderweges‘ wird in der Ausstellung besonders deutlich” – so Museumsdirektor Dr. David Skrabania. „Am Anfang der Ausstellung ist die großformatige Aufnahme des Breslauer Rings mit dem Denkmal des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. hoch zu Pferd und in Uniform zu sehen. Am Ende eine rund 40 Jahre jüngere Aufnahme: Das Denkmal des Königs steht noch, nur die Häuserzeile im Hintergrund liegt in Trümmern. Es ist das Jahr 1945, die Festung Breslau ist gefallen, die schlesische Hauptstadt zu 85 Prozent zerstört, und auch die Königsskulptur wird bald verschwinden, wie die meisten deutschen Spuren. Aus dem deutschen Breslau wird das polnische Wrocław, die einheimische deutsche Bevölkerung muss die Stadt zwangsweise verlassen. Der deutsche/preußische Militarismus endet in einer totalen Katastrophe, die auch den plötzlichen Verlust Schlesiens an Polen mit sich bringt“ – fügt er hinzu.

Die Ausstellung wird von einer Publikation begleitet und entsteht in einem deutsch-polnischen Team unter der kuratorischen Leitung von Zbigniew Gołasz, Norbert Kozioł und Dr. Sebastian Rosenbaum sowie unter wissenschaftlicher Mitarbeit und gutachterlicher Beratung von Dr. Grzegorz Bębnik, Marius Hirschfeld, Dr. Frank Mäuer und Dr. David Skrabania.

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